Lager II (Aschendorfermoor)

Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager

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Das Lager II Aschendorfermoor wurde im April 1935 als Strafgefangenenlager für zunächst 1000 Gefangene  eingerichtet und mit überwiegend zu Zuchthausstrafen Verurteilten belegt.

Nachdem das Lager im April 1937 auf eine Kapazität von 1500 Gefangenen erweitert worden war, wurden ab Juli bis Mai 1940 in diesem Lager die politischen Gefangenen aller emsländischen Strafgefangenenlager zusammengefasst, insgesamt etwa 2200. Viele von ihnen waren zuvor aus Zuchthäusern und Gefängnissen des Deutschen Reichs in das Emsland überführt worden und wurden bis 1940 entweder nach Verbüßung ihrer Haftstrafe entlassen oder in die Mutteranstalten rücküberführt.

Einer dieser Häftlinge war der 1909 in Solingen geborene Ernst Walsken. Der sozialistischen Linken zugewandt, arbeitet er ab 1933 in einer Widerstandsgruppe im Rhein-Ruhr-Gebiet und organisiert den Transport von verbotenen Schriften aus dem Ausland. 1934 wird er von seinem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf relegiert. Im November 1935 verhaftet und zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt, wird er Anfang 1937 aus dem Zuchthaus Herford zunächst in das Lager VII Esterwegen und im selben Jahr in das Lager Aschendorfermoor verbracht. Überwiegend hier entstehen über 100 kleinformatige Zeichnungen, Aquarelle und Papierschnitte, denen er nach Kriegsende den Titel „Warten auf die Freiheit“ gibt und die heute im Besitz des Dokumentationszentrums Emslandlager sind. Im November 1939 wird Ernst Walsken entlassen. 1942 wird er, trotz eines Ausschließungsscheins von der Wehrmacht, in das Bewährungsbataillon auf dem Heuberg einberufen und bei seinem letzten Einsatz als Soldat in Tunesien im April 1943 durch die US-Armee gefangengenommen. In die USA überführt, verbringt er bis zu seiner Entlassung im November 1945 2 ½ Jahre in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, zuletzt in zwei Anti-Nazi-Lagern. Zurückgekehrt nach Solingen, macht er sich beruflich im gelernten Malerhandwerk selbständig und widmet sich nebenbei, besonders nach seiner Pensionierung 1979, der Malerei und dem Zeichnen. 1993 stirbt Ernst Walsken.

Ab 1940 kamen auch in dieses Lager zunehmend von Wehrmachtgerichten Verurteilte. Der Anteil der überwiegend wegen Fahnenflucht, unerlaubter Entfernung oder ‚Zersetzung der Wehrmacht‘ zu langen Haftstrafen Verurteilten lag spätestens nach 1942 deutlich über 50 %.

Bis Kriegsbeginn 1939 wurden die Gefangenen fast ausschließlich bei der Moorarbeit eingesetzt. Die Kultivierung der emsländischen Moore, ein Prestigeobjekt nationalsozialistischer Siedlungspolitik, wurde vom Preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten (später Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft) getragen und in der Region von der Staatlichen Moorverwaltung in Neusustrum und dem Kulturbauamt in Meppen verwaltet. Von 1939 bis 1942 erfolgte ein zunehmender Einsatz von Gefangenen in der Landwirtschaft, hier insbesondere bei der Erntearbeit, ging es doch darum, das kriegsbedingte Arbeitskräftedefizit auszugleichen. 1941/42 verlor der Gefangeneneinsatz bei der Moorkultivierung und in der Landwirtschaft immer mehr an Bedeutung und wurde schließlich gestoppt. Die Häftlinge des Lagers Aschendorfermoor wurden nun insbesondere in der Rüstungsproduktion und in kriegswichtigen Betrieben in Papenburg und Umgebung eingesetzt.

Die Arbeitszeit der Gefangenen bei der Moorarbeit betrug zunächst 8 – 10 Stunden täglich und wurde später auf mindestens 12 Stunden erhöht. Die Bewachung auch dieses Lagers oblag der SA-Pionierstandarte 10, deren Angehörige den aus der KZ-Phase bekannten Terror und die Schikanen gegenüber den Gefangenen fortsetzten. Hinzu kamen eine völlig unzureichende Ernährung, katastrophale hygienische Verhältnisse und eine immer extensivere Ausnutzung der Arbeitskraft.

Anfang April 1945 wurden die verbliebenen Häftlinge der sechs emsländischen Strafgefangenenlager, ca. 2500 bis 3000, im Lager Aschendorfermoor zusammengefasst, um sie von hier aus vor den heranrückenden alliierten Truppen abzutransportieren. Hierzu kam es jedoch nicht mehr. Am 12. April 1945 zog ein 19-jähriger Hauptmann in Fallschirmjägeruniform in das Lager ein, übernahm das Kommando und ließ, unterstützt von Wachmännern, bis zum 18. April ca. 150 Häftlinge des Lagers ermorden, bevor er sich absetzte. Nach der Festnahme Herolds im Mai 1945 stellte sich heraus, dass er, selbst Gefreiter, die Hauptmannsuniform gefunden hatte. 1946 wurde er von einem britischen Militärgericht zum Tode verurteilt und in Wolfenbüttel hingerichtet.

Am 18. und 19. April wurde das Lager von britischen Flugzeugen beschossen und mit Brandbomben beworfen. Weitere ca. 50 Häftlinge kamen um, das Lager brannte ab.

Nach Kriegsende wurden die verstreut vergrabenen Toten dieser letzten Lagertage exhumiert und auf einem kleinen Friedhof am Rande des Lagergeländes beigesetzt, der heute ‚Herold-Friedhof’ genannt wird und als ‚Kriegsgräberstätte’ ausgeschildert ist. Vom Lager ist nur noch eine für die Wachmannschaften angelegte Parkanlage mit im Verfall befindlichen Sitzecken und ein gemauerter Pfosten des früheren Schlagbaums am Lagereingang erhalten geblieben.


Von der B 401 biegt man bei km 7,3 Richtung "Aschendorf / Neulehe" auf die "Oldenburger Straße". Nach 6,4 km hält man nach dem Einbiegen links in die Straße "Am Seitenkanal" (Ausschilderung "Ökohof St. Josef" und "Kriegsgräberstätte 1000 m") an. Von der B 70 biegt man bei Aschendorf nach "Werlte / Neubörger" ab und fährt nach 4,8 km rechts einige Meter in die Straße "Am Seitenkanal" (Ausschilderung wie oben). Von hier aus geht man zurück auf die Hauptstraße und ca. 50 Meter nach rechts, an der früheren Parkanlage der Wachmannschaften vorbei, bis zum ehemaligen Lagereingang mit einem neuen Trafohaus.