Lager VI (Oberlangen)

Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager

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Das Lager VI Oberlangen wurde im Herbst 1933 mit Platz für 1000 Gefangene errichtet. Es war zunächst als weiteres Konzentrationslager im Emsland geplant, wurde dann jedoch als Ausbildungslager für die SA-Wachmannschaften genutzt. Im April 1934 wurde es als eines von mehreren Lagern der Justizverwaltung als Strafgefangenenlager übergeben und war 1935 mit knapp 800, im Dezember 1936 mit 1000 Gefangenen belegt. 1937 wurde das Lager um 500 Plätze erweitert.

Bis Kriegsbeginn 1939 wurden die Gefangenen fast ausschließlich bei der Moorarbeit eingesetzt. Die Kultivierung der emsländischen Moore, ein Prestigeobjekt nationalsozialistischer Siedlungspolitik, wurde vom Preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten (später Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft) getragen und in der Region von der Staatlichen Moorverwaltung in Neusustrum und dem Kulturbauamt in Meppen verwaltet. Die Arbeitszeit der Gefangenen bei der Moorarbeit betrug in der Vorkriegszeit 8 – 10 Stunden täglich. Die harte, körperlich anstrengende Moorarbeit bei einer zunehmend unzureichenden Verpflegung bestimmte den Lageralltag.  Hinzu kamen Schikanen und Misshandlungen durch die Wachleute, die zwar als Bewachungspersonal von der Justiz eingestellt wurden, hierfür jedoch als einzige Voraussetzung in der SA sein mussten und während einer kurzen Ausbildungszeit nur im Waffengebrauch ausgebildet waren.

Im September 1939 wurde das Lager als eines von neun Emslandlagern vom Oberkommando der Wehrmacht übernommen und als Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Es unterstand dem Mannschaftsstammlager (Stalag) VI B Versen und wurde zunächst wahrscheinlich als Durchgangslager für polnische und 1940 für westeuropäische Kriegsgefangene genutzt. Ab Juni 1940 wurden ca. 1800 polnische Fähnriche aus 14 Offiziers- (Oflag) und 13 Mannschaftsstammlagern der Wehrmacht in das Emsland überführt. Ca. 1200 von ihnen kamen in das Lager Oberlangen, weitere ca. 600 Fähnriche wurden in die Lager Wesuwe und Fullen eingewiesen.

Miroslaw Zawodny, heute in Poznan lebend, war einer dieser Fähnriche. Im August 1939 zur Armee eingezogen, geriet er im September in sowjetische Kriegsgefangenschaft, bevor er kurze Zeit später als aus Westpolen Stammender im Rahmen eines Austauschs von der deutschen Wehrmacht übernommen und im November zunächst in das Stalag XVII A Kaisersteinbruch (Burgenland) und im selben Monat in das Oflag VII A Murnau überführt wurde. Am. 6. Juni kam er nach Oberlangen:

„Das Leben im Lager 6 in Oberlangen war wirklich sehr schwer. Sehr oft gab es kein Wasser in den Baracken zum täglichen Waschen. Warmes Wasser, um die Wäsche zu waschen, gab es überhaupt nicht. Es war keine Möglichkeit zum Baden, da es keinen Baderaum mit Duschen für uns Kriegsgefangene gab, auch keine Möglichkeit, um die Flöhe und besonders Läuse zu vernichten, da es keine Entlausungskammer im Lager gab. Im Winter wurde in den Baracken nicht geheizt, weil im Schlafraum kein Ofen war. Es gab keine Betten, keine Pritschen. Wir mussten anfangs direkt auf den Brettern des Fußbodens, einer neben dem anderen, schlafen, nur mit einer dünnen Decke und unserem Militärmantel zugedeckt. Mit der Zeit haben wir unsere Schlafplätze mit trockenem Heidekraut versorgt. In den Baracken war es so kalt wie draußen, nur nicht so windig und ohne Niederschläge. Sehr oft waren die Mäntel feucht, wenn es bei der Arbeit außerhalb des Lagers geregnet oder geschneit hatte.“

Im April 1941 wurden die polnischen Fähnriche in andere Kriegsgefangenenlager außerhalb des Emslandes verbracht. Das Lager Oberlangen wurde nun mit ca. 2000 sowjetischen Kriegsgefangenen belegt. Viele von ihnen starben im Winter 1941/42 aufgrund von Hunger, Kälte und katastrophalen hygienischen Bedingungen.

1943 wurde das Lager Oberlangen als Offizierslager (Oflag 6 WK VI) eingerichtet, dem das Lager Wesuwe als Zweiglager zugeordnet war. Für 1944 lässt sich bis zum Sommer eine Belegung mit durchschnittlich ca. 5000 italienischen Militärinternierten, überwiegend Offiziere, und im Juli 1944 auch mit 920 sowjetischen Kriegsgefangenen, die wahrscheinlich im Zweiglager Wesuwe untergebracht waren, belegen. Im September 1944 waren nur noch 41 Italiener registriert.

Ab Dezember 1944 wurden in dieses Lager weibliche polnische Kriegsgefangene überführt. Die Frauen, Angehörige der polnischen Heimatarmee Armia Krajowa, waren nach ihrer Beteiligung am Warschauer Aufstand und dessen Niederschlagung Anfang Oktober 1944 zunächst in mehreren Kriegsgefangenenlagern untergebracht worden, bevor ihre Zusammenfassung im Oflag IX C in Molsdorf (Zweiglager des Stalag IX C Bad Sulza) und in Oberlangen erfolgte. Am 12. April 1945 wurden insgesamt 1728 Frauen durch ihre eigenen Landsleute, Angehörige der 1. Polnischen Panzerdivision unter General Stanislaw Maczek, befreit.


 


Das ehemalige Lagergelände wird von der "Nord-Süd-Straße" und der Straße, die bei km 43,9 nach "Lathen / Oberlangen" führt und heute noch "Lagerstraße" heißt, begrenzt. Am Gelände des früheren Lagers, von dem heute nichts mehr zu erkennen ist, ließen polnische ehemalige Kriegsgefangene 1995 eine Gedenktafel aufstellen.
 

Auf dem Friedhof des Lagers Oberlangen ruhen 62 sowjetische Kriegsgefangene in Einzelgräbern und 2000 bis 4000 unbekannte sowjetische Kriegsgefangene in Massengräbern. Zum Friedhof biegt man bei km 43,9 von der "Nord-Süd-Straße" in Richtung "Lathen/Oberlangen" in die "Lagerstraße" ein und fährt nach 1,2 km beim Hinweisschild "Kriegsgräberstätte 700 m" rechts in die "Forsthausstraße". Nach 700 m, zuletzt eine schmale Querstraße überquerend und auf einem unbefestigten Weg fahrend, liegt rechts der Friedhof.