Lager X (Fullen)

Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager

Zur Homepage

 
 
 

Das Lager X Fullen wurde 1938 von der Justiz als Strafgefangenenlager für 1000 Gefangene eingerichtet. Es war das einzige der zahlreichen vorher vom Reichsarbeitsdienst (RAD) im mittleren und südlichen Emsland errichteten und genutzten Lager, das nach dem Abzug der RAD-Abteilungen 1938 übernommen wurde und daher nach einem Ausbau sofort belegt werden konnte.

Die Häftlinge auch dieses Lagers sollten die Kultivierung der linksemsischen Moorgebiete leisten, die durch den RAD aufgrund zu geringer Arbeitsergebnisse und der fehlenden Möglichkeit, im Rahmen einer vorgesehenen beschleunigten Emslandkultivierung ausreichend Arbeitsdienstleute zur Verfügung stellen zu können, nicht geleistet werden konnte. Stattdessen wurden 1938 neben dem vorhandenen Lager Fullen sieben weitere Strafgefangenenlager  mit Platz für insgesamt 9000 Gefangene neu gebaut. Am 10. August 1938 berichtete die in Papenburg erscheinende Ems-Zeitung auf ihrer Titelseite unter der Überschrift „Bauernland aus Emslandmooren“ vom „Richtfest für 268 Bauten der 8 neuen Kultivierungslager im Emsland“, zu dem u.a. der Reichsjustizminister Gürtner in das Lager Fullen angereist war.

Im September 1938 war das Lager bereits mit 1200 Strafgefangenen belegt. Im September 1939 wurde das Lager als eines von neun Emslandlagern vom Oberkommando der Wehrmacht übernommen und als Zweiglager des Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager (Stalag) VI B Versen eingerichtet. Weitere Zweiglager dieses Stalag waren Oberlangen und Wesuwe.

1940 waren in Fullen französische Kriegsgefangene untergebracht. Nachdem ab Juni 1940 ca. 1800 polnische Fähnriche aus 14 Offiziers- (Oflag) und 13 Mannschaftsstammlagern der Wehrmacht in das Emsland überführt worden waren, kamen ca. 400 Polen in das Lager Fullen, weitere ca. 1200 in das Lager Oberlangen und ca. 200 in das Lager Wesuwe. Im März/April 1941 wurden fast alle Fähnriche aus Oberlangen nach Fullen und Mitte April von dort in andere Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht verlegt. Am 1. September 1941 befanden sich im Stalag VI B Versen 10659 französische, 1012 belgische, 217 polnische, 960 südosteuropäische und 8668 sowjetische Kriegsgefangene. Im Lager Fullen waren in diesem Monat 1700 sowjetische Kriegsgefangene untergebracht.

Im Mai 1942 wurde das Stalag VI B Versen mit dem Stalag VI C Bathorn zusammengelegt. Das Lager Fullen war nun eines der sieben Zweiglager des Stalag VI C Bathorn.

Von September 1943 bis 1945 waren hier wie auch in anderen emsländischen Kriegsgefangenenlagern italienische Militärinternierte untergebracht. Am 20. September ordnete Hitler an, die Kriegsgefangenen zukünftig als „italienische Militärinternierte“ zu bezeichnen. Damit unterlagen sie nicht mehr dem Schutz der für Kriegsgefangene geltenden internationalen Abkommen und des Internationalen Roten Kreuzes.

In den Kriegsgefangenenlagern mussten Italiener bei schlechtester Ernährung und unzureichender medizinischer Versorgung unter ungewohnten klimatischen Verhältnissen schwerste Arbeiten in landwirtschaftlichen und gewerblichen Betrieben verrichten. Hier wurden sie deutlich schlechter behandelt und verpflegt als die Angehörigen der anderen Nationen, mit Ausnahme der sowjetischen Kriegsgefangenen. Dass sich auch in den Emslandlagern die Behandlung der italienischen Militärinternierten nicht von der in allen anderen Lagern praktizierten menschenverachtenden Behandlung unterschied, verdeutlicht neben in Italien erschienenen Zeitzeugenerinnerungen schon allein die Zahl der hier zwischen September 1943 und März 1945 Verstorbenen: 872 Tote wurden bei den emsländischen Standesämtern registriert, allein 404 im Jahr 1944 beim Standesamt Meppen - Groß-Fullen (im Lager Fullen befand sich das ‘Hospital’ für die Italiener). Seine 1946 im italienischen Bergamo erschienenen Erinnerungen betitelte P. E. Ettore Accorsi bezeichnenderweise mit „FULLEN – IL CAMPO DELLA MORTE“.


Bei km 22,5 biegt man von der "Süd-Nord-Straße" in die Straße "Am Wasserwerk". Nach ca. 300 m befinden sich an einer T-Kreuzung rechts das Wasserwerk Fullen und links das Lagergelände.
 

Auf dem Friedhof Groß-Fullen ruhen 133 sowjetische Kriegsgefangene, ein Dalmatiner, ein Marokkaner, ein Kroate und ein unbekannter Albaner sowie ca, 1500 unbekannte Russen. Die hier ursprünglich bestatteten 751 italienischen Militärinternierten wurden in den fünfziger Jahren exhumiert und auf den italienischen Ehrenfriedhof in Hamburg-Öjendorf umgebettet oder in ihr Heimatland überführt.
Um zum Kriegsgefangenenfriedhof Gross-Fullen zu gelangen, biegt man zwischen km 23,5 und 23,6 von der "Süd-Nord-Straße" in die "Weststraße" ein, folgt dem Schild "Kriegsgräberstätte" und gelangt nach 500 m zu dem linkerhand gelegenen Friedhof des Lagers X Fullen.