Lager XII (Dalum)

Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager

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Das Lager XII Dalum wurde im Frühjahr 1938 mit Platz für 1.500 Gefangene errichtet und war als eines von acht neuen Strafgefangenenlagern im Emsland für die Unterbringung von Justizhäftlingen vorgesehen.

Dem Beschluss zum Neubau von Lagern im mittleren und südlichen Emsland vorausgegangen war der Abzug des Reichsarbeitsdienstes (RAD) aus diesen Gebieten. In Zusammenhang mit der Vorgabe einer beschleunigten Kultivierung der emsländischen Moorgebiete sollten in diesen Lagern 9000 zusätzliche Strafgefangene zur Zwangsarbeit herangezogen werden, nachdem im nördlichen Emsland bereits seit 1933 zunächst KZ-Häftlinge und ab 1934 Strafgefangene diese Arbeit zu leisten hatten. Bereits vor dem Abschluss der Aufbauarbeiten der neuen Lager kam im August 1938 von Hitler die Anordnung, aus dem Bereich der Emslandlager zunächst 12.000 Gefangene sowie Baracken an den Westwall abzutransportieren. Hiervon war auch das noch nicht mit Gefangenen belegte Lager Dalum betroffen, aus dem zehn Baracken abgebaut und in den Raum Zweibrücken gebracht wurden. Kurze Zeit später, nach der Münchener Konferenz und der Übergabe des Sudetengebietes, nahm Hitler seine Anordnung wieder zurück. Die bis dahin abtransportierten 2.000 Gefangenen und 103 Baracken wurden ins Emsland rücküberführt.

Auch das Lager Dalum wurde neu aufgebaut und im Mai 1939 fertiggestellt, dann allerdings nicht mit Strafgefangenen belegt. Im September 1939 übernahm das Oberkommando der Wehrmacht OKW) das Lager als eines von neun Emslandlagern und richtete es als Zweiglager des Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlagers VI C Bathorn mit den weiteren Zweiglagern Groß Hesepe, Alexisdorf und Wietmarschen ein. Die regionalen Behörden erhofften sich von der Zusage des OKW, bis Anfang Oktober 1939 16.000 bis 17.000 Kriegsgefangene in den neun emsländischen Kriegsgefangenenlagern unterzubringen, einen Ausgleich für den Ausfall von Arbeitskräften nach dem Abzug des Reichsarbeitsdienstes 1938. Tatsächlich wurden jedoch 1939/40 zunächst nur Durchgangsgefangene in die Lager eingeliefert, im Jahr 1939 ca. 5.000 polnische Kriegsgefangene. Am 4. Dezember 1939 waren im gesamten Stalag VI C nur noch 571 Polen registriert. Sie wurden für den Wegebau und für Kuhlarbeiten in der Grafschaft Bentheim sowie bei Landwirten für die Feldarbeit eingesetzt.

Nachdem für kurze Zeit französische Kriegsgefangene in dem Lager untergebracht waren, wurde es im September 1941 mit 4.100 sowjetischen Kriegsgefangenen belegt. Zwar sollten auch sie zur Moorarbeit herangezogen werden, doch führten die katastrophalen Bedingungen in diesem völlig überbelegten Lager und die Behandlung der Sowjets, geprägt von der Übernahme der Ideologie des Nationalsozialismus und dessen rassistischem und antikommunistischem Denken durch das Oberkommando der Wehrmacht, zunächst kaum zu nennenswerten Arbeitseinsätzen.

Am 5. Juni 1942 wurde das Lager Dalum der Luftwaffe als Gerätelager übergeben und erst im November 1944 wieder mit Gefangenen belegt. Ab dem 18.11. kamen 1.000 bis 3.000  Rotterdamer in dieses Lager. Alle Männer dieser Stadt im Alter zwischen 17 und 40 Jahren mussten sich zum Zwangsarbeitseinsatz in Deutschland melden. Insgesamt waren es ca. 50.000, die im Rahmen einer Razzia am 10. und 11. November in Rotterdam festgenommen und zu Arbeitseinsätzen nach Deutschland deportiert wurden. Von Dalum aus setzte man sie überwiegend zu Schanzarbeiten ein, bevor bis Ende Dezember eine Verlegung in lokale Zwangsarbeiterlager stattfand.

Am 3. Januar 1945 kamen über 1.000 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Neuengamme nach Dalum. Schon ab November 1944 waren KZ-Häftlinge aus Neuengamme zunächst in das Lager Versen verlegt worden. Die insgesamt bis zu 4.000 in die beiden Lager überführten Häftlinge sollten im Raum Meppen militärisch völlig sinnlose Verteidigungsstellungen gegen die vorrückenden alliierten Truppen bauen. Die Unterbringung im Lager erfolgte unter schlimmsten Bedingungen; Kälte und Nässe sowie eine völlig unzureichende Verpflegung führten zu zahlreichen Todesfällen. Innerhalb von fünf Monaten starben 566 Gefangene in diesem Außenkommando, häufig an epidemisch auftretenden Darm- und Lungenerkrankungen.

Zuletzt waren im Lager Dalum 807 KZ-Häftlinge registriert. Am 24. März wurden die noch Arbeitsfähigen zu Fuß nach Cloppenburg in Bewegung gesetzt, die Kranken folgten mit dem Zug, untergebracht in geschlossenen Waggons. Während dieses Transportes und des Evakuierungsmarsches starben weitere Hunderte von Häftlingen.


Auf der neuen Autobahnüberführung biegt man von der "Süd-Nord-Straße" Richtung "Geeste 6 km / Dalum 3 km" ab, fährt nach 450 m nach links in die neu ausgebaute Straße "Am Wasserwerk" ein und gelangt nach weiteren 350 m zum ehemaligen Lagereingang (linkerhand), von dem die Trafostation und drei Torpfeiler - zufällig - erhalten geblieben sind.
 

Auf dem sich in der Nähe befindenden Lagerfriedhof ruhen laut Gräberlisten 38 namentlich bekannte Russen, eine Russin, ein Italiener und 9 unbekannte Kriegsgefangene in Einzelgräbern sowie 8.000 bis 16.000 unbekannte sowjetische Kriegsgefangene in Massengräbern.
Von der "Süd-Nord-Straße" gelangt man zum Friedhof, indem man bei km 12,2 in die Straße "Rull" einbiegt und dem Schild "Kriegsgräberstätte 500 m" folgt. Nach 500 m nach links abbiegend, liegt der Friedhof 50 m weiter etwas verborgen in einem Waldstück links der Straße.