Lager XV (Alexisdorf)

Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager

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Das Lager XV Alexisdorf war im Mai 1939 als eines von acht neuen Strafgefangenenlagern im Emsland für 1.000 Justizgefangene fertiggestellt worden. Eine Belegung erfolgte jedoch zunächst nicht, bis im September 1939 das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) das Lager als eines von neun Emslandlagern übernahm und es als Zweiglager des Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlagers VI C Bathorn mit den weiteren Zweiglagern Groß Hesepe, Dalum und Wietmarschen einrichtete.

Die regionalen Behörden erhofften sich von der Zusage des OKW, bis Anfang Oktober 1939 16.000 bis 17.000 Kriegsgefangene in den neun emsländischen Kriegsgefangenenlagern unterzubringen, einen Ausgleich für den Ausfall von Arbeitskräften nach dem Abzug des Reichsarbeitsdienstes 1938. Tatsächlich wurden jedoch 1939/40 zunächst nur Durchgangsgefangene in die Lager eingeliefert. Ob sie auch in das Lager Alexisdorf kamen, ist nicht bekannt. Erst für den 10.9.1940 liegen Zahlenangaben über die Belegung der Kriegsgefangenenlager vor. Hiernach war das Stalag VI C Bathorn mit seinen vier Zweiglagern mit 16.552 Insassen belegt, darunter 13.060 französische, 343 englische (am 25.10.1940 nur noch 2), 943 belgische und 2.206 polnische Kriegsgefangene. Am 1. Mai 1941 wurden auch erstmalig 593 jugoslawische, am 1. Juni 1.450 serbische Kriegsgefangene und am 1. August 5.984 sowjetische Kriegsgefangene im Stalag VI C registriert. Die Höchstbelegung der fünf Lager lag am 1. September 1941 bei 27.313 Kriegsgefangenen, darunter 11.441 Franzosen und 13.973 Sowjets. Gebaut worden war diese fünf Lager für 5.500 Gefangene.

Am 19.9.1941 war das Lager Alexisdorf mit 3.900 sowjetischen Kriegsgefangenen belegt. 712 von ihnen waren im Arbeitseinsatz. 80 % aller Kriegsgefangenen des Stalag Bathorn wurden nach einem Bericht des Internationalen Kriegsgefangenenkomitees des Roten Kreuzes in der Landwirtschaft, 20 % in der Industrie, in Wäldern, im öffentlichen Dienstleistungsbereich und im Heer eingesetzt.

Wahrscheinlich waren bis Anfang 1945 durchgehend sowjetische Kriegsgefangene in diesem Lager, bevor diese nach Wietmarschen verlegt und in den letzten Kriegsmonaten durch serbische Kriegsgefangene ersetzt worden sein sollen.

Auch in diesem Lager war unter den sowjetischen Kriegsgefangenen eine hohe Sterberate zu beklagen. Ein Zeitzeuge aus der Region erinnert sich „an ein russisches Arbeitskommando, das konnten wohl ein paar hundert Mann gewesen sein, die marschierten von Alexisdorf zu Fuß in Richtung Hoogsteede. Draußen herrschte der Winter, es hatte gerade geschneit, da musste der Großteil der russischen Männer barfuß im Schnee zur Arbeit laufen... Bekleidet waren sie lediglich mit ihrem leichten Drillichanzug, Tuchanzug. (...) Viele russische Gefangene sind in Alexisdorf elendig zugrunde gegangen, weil sie kaum etwas anzuziehen hatten, die Verpflegung schlecht und unzureichend war und weil sie zudem körperlich hart arbeiten mussten. Natürlich wurden unter diesen Umständen viele krank (Lungen-TB, Kreislaufschwächen,  Diphtherie). Da die Verpflegung im Lazarett nicht besser wurde, sind viele einfach verhungert.“

Während die Nationalsozialisten die nicht-sowjetischen Kriegsgefangenen im allgemeinen entsprechend den Regeln des Völkerrechts behandelten, wurden die sowjetischen Soldaten faktisch ermordet, indem man ihre Ver­sorgung bis weit unter das Existenzminimum reduzierte und sie verhungern, erfrieren oder an Krankheiten sterben ließ. Die sogenannten Russenlager waren oft monatelang wegen auftretender Epidemien und Seu­chen gesperrt.

Ab April 1946 wurde das Barackenlager durch Herrnhuter Ostflüchtlinge belegt, die ihrem neuen Zuhause im Sommer 1946 den Namen Neugnadenfeld gaben und in den folgenden Jahren eine neue Siedlung aufbauten.


Aus der Siedlung Bathorn auf die K 19 kommend, biegt man nach rechts auf die Straße am Coevorden-Piccardie-Kanal und fährt weiter nach Westen. Nach etwa 3,5 km biegt man bei km 1,8 rechts auf die Straße nach "Neugnadenfeld" und fährt noch etwa 900 m. Kurz hinter einer im Kreisverkehr nach links abgehenden Straße ("Meppen 28 km / Emlichheim 9 km") befindet sich links die aus der Lagerzeit stammende alte Trafostation mit einem angebauten Haus, 1982 und 2001 umgebaut.
 

Den Kriegsgefangenenfriedhof des Lagers Alexisdorf erreicht man, indem man ab Trafohaus 200 m geradeaus bis zur Kirche fährt, sich auf dem Platz vor ihr halbrechts hält und dem Schild "Kriegsgräberstätte 700 m" folgt. In Höhe des Sportplatzes (Neubausiedlung) biegt der Besucher rechts auf einen schlecht befahrbaren Feldweg, der, zwischen Sportplätzen liegend, zum abgelegenen Friedhof führt. In dessen Mitte ein Obelisk mit der Inschrift: "Den hier ruhenden ausländischen Kriegstoten zum Gedenken".
Bis zum Frühsommer 1943 wurden die Toten auf dem Friedhof in Dalum begraben, bevor in der Nähe des Lagers Wietmarschen ein neuer Friedhof angelegt wurde, auf dem heute eine Zahl von 600 unbekannten Toten genannt wird. Tatsächlich soll diese Zahl aber 6.000 betragen haben.